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Überblick zur Burgenkunde

  • Allgemeines zur Burgenkunde


  • Entwicklung und Niedergang der Burgen


  • Vom Bau einer Burg


  • Aufgaben der Burgen


  • Burgennamen


  • Das Leben auf Burgen


  • Quellen



  • Allgemeines zur Burgenkunde

    Das Wort Burg stammt ursprünglich aus dem Indogermanischen und ist bei allen Völkern dieses Sprachstammes, wenn auch in veränderter Form, im Wortschatz vorhanden. So hieß Burg lateinisch burgus, keltisch bwr oder bur, altsächsisch burug, angelsächsisch byrig, althochdeutsch purc oder puruc, mittelhochdeutsch burc, nordisch borg, englisch borough, südländisch borgo oder burgo.
    Dabei gibt es noch eine große Vielzahl an Einzelbegriffen. Beispielsweise las man in mittelalterlichen Urkunden oft auch den Begriff castrum. Im Mittelalter wurden die Begriffe Veste, festes Haus oder Schloss ebenfalls benutzt. Schließlich kennt man auch die Begriffe Burgstall (= Standort einer Burg) und Kemenate.

    Der heutige Sprachgebrauch trennt die Burg vom Schloss wie folgt: Unter einer Burg im engeren Sinne versteht man erstmal den befestigten Einzelwohnsitz eines Grundherren im Mittelalter. Dabei ist das Wesentliche, dass der Bau zu Wohn- und Verteidigungszwecken errichtet worden war. Ein Schloss hingegen wies keine Verteidigungswerke auf und diente rein repräsentativen Zwecken.

    Burgentypen werden nach verschiedenen Kriterien unterschieden.

    Standort:

  • Höhenburgen
    Auf einer natürlichen Anhöhe errichtete Burganlage.
    Unterschieden wird hier in: Gipfelburg, Kammburg, Hangburg, Spornburg.
    Von den heute bekannten Burganlagen waren angeblich ca. 66 % aller Anlagen Höhenburgen.


  • Niederungsburgen (auch Flachland- oder Tieflandburgen)
    Burgen die im Flachland oder in Talsohlen errichtet wurden.
    Unterschieden wird hier in: Wasser-, Fluß- und Inselburgen, Ufer- und Sumpfburgen, Talburgen und Hafenbefestigungen.
    Von den heute bekannten Burganlagen waren angeblich ca. 34 % aller Anlagen Niededrungsburgen.



  • 33 Burgenarten, die sich aufgrund der Nutzung und/oder der Wehr- und Wohnarchitektur unterscheiden:

  • Abschnittsburg:
    Burganlage mit mehreren selbständig befestigten Bereichen, die durch Gräben voneinander getrennt sind, zur Vermehrung der Sicherheit.


  • Bauernburg:
    Gelegentlich zur Notzeit errichtete Wallburg bzw. feste Ringmauer, einer Dorfgemeinde, mit angebauten oder im Innenraum aufgestellten Speicher.


  • Burgsitz/Burgsäss:
    Ritterhäuser in Dörfern oder in der Stadt, sowie Kleinburgen.


  • Burgstall:
    1. Bezeichnung für eine kleine Burg.
    2. Vorwiegend Bezeichnung für eine nicht mehr vorhandene Burg, einen ehemaligen Burgplatz ohne Mauerreste, der nur noch an Geländeunebenheiten als solcher kenntlich ist (süddeutsch: Burstel). Im Allgemeinen auch als "abgegangene Burg" bezeichnet.


  • Burgus:
    Steinerner römischer Wachturm, zumeist in quadratischer Wall- und Grabenbefestigung. Standort einer kleinen Grenzabteilung.


  • Castrum:
    Römische Bezeichnung für ein Standlager. Im Mittelalter auch als Begriff für Burg oder eine befestigte Stadt verwendet.


  • Curtis:
    Meist befestigter Königshof der fränkischen Karolinger.


  • Deutschordenburg:
    Burgen des Deutschen Ritterordens zur Sicherung der eroberten Gebiete in Preußen und dem Baltikum.


  • Dorfburg:
    Dorfedelsitz, gelegentlich auch einfache Höfe.


  • Erdburgen:
    Prähistorische und frühmittelalterliche Anlagen.


  • Festes Haus:
    Kleiner befestigter Wohnsitz eines Adligen, ohne Bergfried und ohne Hoheitsrechte - auch Ansitz genannt.


  • Festung:
    Wehranlage, die stark befestigt ist und kasernierte Truppen aufnahm, sowie Artillerie armiert war, zur Verteidigung eines strategisch wichtigen Gebietes.


  • Feudalburg / Lehensburg:
    Burg, die einem Lehensmann zum Lehen gegeben wurden.


  • Fliehburg/Fluchtburg:
    Mit Wallanlagen gesicherter Aufenthaltsort zum vorübergehenden Schutz von Menschen und Tieren in Not-/Kriegszeiten.


  • Ganerbenburg:
    Unter mehreren Erben eines Rittergeschlechts - sog. Ganerben - oder einer Interessensgemeinschaft Adliger verteilter Burgraum - innerhalb eines Burgbezirks.


  • Grenzbefestigung/Grenzsperre/Klause:
    In Gebirgstälern errichtete Sperrmauern, mit Torbauten und Türmen, auch in Verbindung mit einer Höhenburg als Zollstätte.


  • Hausrandburg:
    Urform der vorindogermanischen Burg im Mittelmeerraum. Im wesentlichen bestehend aus einem Turm.


  • Herrenburg:
    Burganlage mit mehreren selbständig befestigten Bereichen, die durch Gräben voneinander getrennt sind, zur Vermehrung der Sicherheit.


  • Hofburg:
    Ältere Bezeichnung einer zur größeren Hofhaltung eingerichtete Burg.


  • Kirchenburg/Wehrkirche:
    Insgesamt oder in Teilen als Wehrbau gestalteter Kirchenbau. Mit einer Mauer und Türmen bewehrter Friedhof einer Dorfgemeinde mit Schutzräumen (Gaden) zur Verwahrung von Vieh und Habe im Not-/Kriegsfall.


  • Kreuzfahrerburg:
    Burgen der Kreuzritter in Syrien, Palästina und auf Rhodos.


  • Loch/Lueg:
    Felsenhöhle - schweizerisch-österreichische Ausdrucksweise; auch als Namen für Höhlenburgen genutzt.


  • Motte/Mota:
    Erdhügel, gelegentlich natürlich, meist künstlich aufgeschüttet, mit einem Graben umzogen, um als Standort einer kleinen Burg oder eines Wohnturmes in einem Palisaden- oder Mauerring zu dienen. Auch unbebaut als Spähhügel angelegt. Bis ins 10. Jhd. im Deutschen Raum.


  • Oppidum:
    Im Altertum ständig bewohnter und befestigter Ort. Im Mittelalter vorwiegend Bezeichnung für Stadt, aber auch für Burg.


  • Pfortenburg/Portenburg:
    Zollstätte an einer Landesgrenze.


  • Schloss:
    Im Mittelalter auch Bezeichnung für Burg. Seit dem 16. Jhd. Ein nicht bewehrter, repräsentativer Adelswohnsitz.


  • Sperrfort:
    Burg oder Festung an einer natürlichen Engstelle - Flußtal, Bergtal - zur Kontrolle des Durchgangs.


  • Tempelburg:
    Burg mit einem Tempel als Mittelpunkt, Wallfahrts-, und Versammlungsort einer Volksgemeinschaft im Frieden, gemeinsam verteidigte Burg zu Kriegszeiten.


  • Trotzburg/Trutzburg:
    Burganlage, erbaut gegen oder zur Blockade anderer Burgen.


  • Turmburg:
    Burg, die nur aus einem Wehr- oder Wohnturm in einem Mauerring besteht.


  • Wohnburg:
    Hauptsächlich zu Wohnzwecken verwendete Burg mit wenig Wehrcharakter.


  • Zollburg:
    Auch Maut, Mautturm, Zollturm = Zollstätte.


  • Zungenburg:
    Burg auf einer Bergzunge als natürliche Bergform, vom Hinterland meist durch einen Halsgraben abgetrennt.


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    Entwicklung und Niedergang der Burgen

    Die Spuren der befestigten Bauweise der Menschen, reichen weit in die Antike zurück. Griechen, Römer und Perser hatten ihre Städte und Garnisonen befestigt, um sie vor plötzlichen Überfällen zu schützen. In Europa prägten die Römer die Entwicklung der Befestigungen durch ihre Castelle und den Wälle wie den Limes. Die Geschlechter der Merowinger und Karolinger waren die ersten germanischstämmigen Adelsfamilien, die nach den Römern das Bild im westlichen Europa formten. Auf den Grundlagen der römischen Bauten wurde aufgesetzt. Die Entwicklung der eigenen Burgenarchitektur begann...

    Frühe Anlagen, deren sichtbaren Hinterlassungen aus Wallanlagen bestehen, kennt man aus der Nachrömerzeit ca. ab dem 3. Jahrhundert. Hierzu zählen auch die Wallanlagen in Miltenberg am Main und in Grünwald, die sog. Römerschanze - südlich von München – die nach Ausgrabungen im Kern eine ältere Keltenschanze aufwies. Im deutschen Raum trifft man immer wieder auf derlei Schanzenanlagen, die in Wanderkarten verzeichnet sind und der Keltenzeit zugeordnet werden. Ursprünglich waren diese Wallanlagen mit einer hölzernen Pallisade als Bering (=Mauerring) gesichert. Im Vorfeld der Kernanlage gab es fast immer weitere Wälle, die dem Angreifenden das Stürmen der Pallisaden erschwerte. Im Inneren der Kernanlage ging man bald dazu über, Türme in eckiger oder Runder Form – aus Holz – zu errichten. Die hatte den Vorteil, den Bering zu stärken und vor allem auch eine weitere Umschau in das Gelände zu ermöglichen.

    Mit dem Verschwinden der Römer, schwang sich das Geschlecht der Merowinger auf. Im 5. Jahrhundert hatte Clodwig bereits weite Teile Europas den zu dieser Zeit zurückweichenden Römer, entrissen. In dieser Zeit waren die einzigen Anlagen aus Stein, durch römische Hand erbaut. Man eignete sich also erst mal diese Siedlungen an und profitierte von vorhandener Baumasse. Eigene Anlagen waren auf Erd-Holz-Bauweise erschaffen.

    Diese Bauweise zog sich bis hin in das frühe Mittelalter. Mit diesen Holzburgen hing untrennbar die Grundherrschaft über Landstriche und Siedlungen zusammen. Der Nutzen der Erd-Holz-Burgen lag darin, als Fluchtstätte bei Angriffen, die umliegende Bevölkerung aufzunehmen. Heute ist von diesen Mitteleuropäischen Burgen keine einzige Anlage mehr erhalten.

    Um das 8. Jahrhundert, in der Zeit der Karolinger – Karl der Große – wird die Baukunst, die Jahrhunderte zuvor durch die Römer praktiziert wurde, wieder entdeckt und fällt zusammen mit dem Beginn des Burgenbaus auf damaligen deutschem Boden - im engeren Sinne.
    Nicht nur Pfalzen wurden aus Stein errichtet, inzwischen ging man auch über, Kirchen zu bauen. Ein Beispiel des karolingischen Bautreibens ist wohl das Aachener Münster. Die schon erwähnten Pfalzen waren jedoch nicht unbedingt befestigte Anlagen, sondern vielmehr steinerne Wohnbauten, die ebenerdig und leicht zugänglich waren.

    Der frühe Burgbau hatte also auch schon zu beginn des Frühmittelalters, einige Steinbauten vorzuweisen. Wobei hier feste Wohnplätze oder Lager zum Schutz vor den einfallenden Normannen im Gebiet der des Rheins und später auch der Ungarn, die in Süddeutschland eingefallen waren, errichtet wurden.

    Eine häufige Bauform einer Burg im 10. und hinein ins 11. Jahrhundert waren sog. Motten. Sie waren befestigte Sitze des kleinen Adels. Sie bildeten die Masse der befestigten Anlagen.
    Unter Motten versteht man einen künstlich aufgeworfenen Erdhügel, der mit einem Wassergraben umzogen war und auf dessen mehrere Meter hohe Kuppe mindestens ein befestigtes Gebäude – zumeist noch aus Holz – stand. Auch waren die Gräben, bei stärkerer Befestigung, mit einer Palisade umzogen und durch eine Brücke mit Torhaus (= Brückenkopf) im Zugangsbereich gesichert. Erste Motten waren in England und Frankreich stark verbreitet. Später traten sie gehäuft in den Niederlanden und in Norddeutschland auf.
    Diese Motten wurden im 12. Jahrhundert dann weitestgehend von steinernen Wasserburgen, die mit Ringmauern umgeben waren, abgelöst.

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    Ein Boom des Burgenbaus gab es ab dem 13. Jahrhundert – im Hochmittelalter. Hier wurden ca. 45 % aller Burgen errichtet. Im 12. Jahrhundert ca. 25 % und im 14. Jahrhundert nur noch 18%.
    In der Phase des vermehrten Burgenbaus, fielen Aspekte wie Neuerwerbung von Kenntnissen zur Architektur, Mitgebrachtes aus den Kreuzzügen und Entwicklung und Ausbau von bereits bestehenden älteren Anlagen, in die Waagschale der Baumeister. Gegen Ende des Mittelalters, im 15./16. Jahrhundert, wurden nur noch ca. 4 %, der Burgen errichtet. Dies lag am verschwindenden Nutzen der Burgen, der durch die schnelle Entwicklung der Waffentechnologie quasi erloschen war. Artillerie machte jegliche Mauern unwirksam, denn selbst die Nachrüstung in der Architektur des Mauerwerks – Schrägen und Rundungen – die ein Ablenken der Geschosse erwirken sollte, konnte der Zerstörungskraft der Bombarden und Kanonen bald nichts mehr entgegen setzen.
    Also ging der Adel dazu über, sich feste Häuser in den Städten, einzurichten. Diese Bauten waren zwar noch aus Stein, jedoch war der Wehrcharakter begrenzt auf mannshohe Steinmauern und ggf. Wassergräben, die die Anlage umschlossen.

    In späteren Jahrhunderten, bis hin in das 19 Jahrhundert, wurden sog. Festungen errichtet. D.h., dass zum Teil Städte durch mehrfache Wassergräben und Bastionen eingefasst wurden. Gleiche Bauweise wandte man bei Militärfestungen an, die in heutigen Augen meist einer gut befestigten Kaserne gleichen. Diese Architetkur der Festungen hatte zum Ziel, das Einnehmen der Städe und Anlagen zu erschweren, da direkte Wege in den Kern der Anlagen nie gegeben waren. Einen Abwehrcharakter, der durch sehr hohe und dicke Mauern aus den Tagen des Mittelalters bekannt war, gab es nicht mehr. Die Kanonen und Mörser erübrigten diese Bauweisen schon seit Jahrhunderten.

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    Vom Bau einer Burg

    Der Burgenbau war schon zur frühen Zeit der Befestigungsanlagen eine sehr aufwändige und kostspielige Angelegenheit, die auch heute noch jedem Bauherren eine hohes Maß an Organisation und Know How abverlangen würde. Nur, dass wir uns heute derlei Bauten gar nicht mehr leisten könnten.
    Der Bau einer Burg war von einigen Faktoren abhängig. Wie groß sollte die Burg werden, wie gut die Anbindung an Städte und Straßen? Wie zugänglich sollte die Anlage sein? Welche Baumaterialien und wieviel Geld standen zur Verfügnung? Ohne Steinbruch keine Burg! Gute Arbeitskräfte, Meister und Umwelteinflüsse waren zudem für den Verlauf des Baus ebenso verantwortlich, wie gute Organisation und Planung.

    Die Erlaubnis, dein Burg bauen zu dürfen, bekam man meist nur von seinem König. Der Burgstall, als der Platz wo die Burg zukünftig stehen sollte, war darauf beschränkt, dass es der eigene Grund sein musste und was die Zielsetzung der Burg überhaupt war. Sollte sie in einer Ebene gebaut werden, waren Verkehrsanbindungen wichtig. Sollte sie militärische Funktion übernehmen, war eine exponierte und weithin sichtbare Lage wichtig, die jedoch meist weniger gut zugänglich war. Faktoren wir Wasserversorgung, Bodenverhältnisse und Sichtverhältnisse waren zudem zu beachten.

    Der Bau der Burgen wurde aufgrund folgender topographischen Einflüsse, in verschiedene Typen unterschieden:

  • Höhenburgen
    Auf einer natürlichen Anhöhe errichtete Burganlage.
    Unterschieden wird hier in: Gipfelburg, Kammburg, Hangburg, Spornburg.
    Von den heute bekannten Burganlagen waren angeblich ca. 66 % aller Anlagen Höhenburgen.


  • Niederungsburgen (auch Flachland- oder Tieflandburgen)
    Burgen die im Flachland oder in Talsohlen errichtet wurden.
    Unterschieden wird hier in: Wasser-, Fluß- und Inselburgen, Ufer- und Sumpfburgen, Talburgen und Hafenbefestigungen.
    Von den heute bekannten Burganlagen waren angeblich ca. 34 % aller Anlagen Niededrungsburgen.


  • Bevor der Bau nun beginnen konnte, musste das Terrain präpariert werden. D.h., bewaldete Lagen wurden gerodet, aufgeweichter Boden musste verfestigt und tragfähig gemacht werden, Unebenheiten wurden planiert oder Fels wurde behauen.
    Der nächste Schritt lag in der Organisation der Baustelle. Werkzeug, Gerüste, Arbeitskräfte und vor allem viele und teuer Handwerksmeister wurden in den Dienst gestellt. Sie mussten erst einmal die Baustelle einrichten, Anfahrtswege anlegen und Depots für Materialien und auch Brennöfen aufbauen.

    Im folgenden wird nun erläutert, welche Bestandteile eine Burg haben konnte und ihre Funktionen. Dazu ist anzumerken, dass eine Burg nicht zwangsläufig aus allen hier erwähnten Teilen bestehen musste. Die Größe einer Burg war nicht zuletzt Aushängeschild für den Einfluss und den Reichtum des Burgherren.

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    Gängige Bestandteile einer Burganlage (alphabetisiert):

  • Barbakane
    Hofartiger, von Wehrgängen umzogener Wehrbau vor einem Tor, einem Turm oder zur Verstärkung einer schwachen Stelle. In Deutschland stets mit dem Tor fest verbunden, sonst vielfach frei davorstehend und von einem Graben umgeben. Der Weg zum Tor ist im Bereich der Barbakane geknickt oder gewinkelt geführt.


  • Berchfrit oder Bergfried
    Hauptturm einer Burg. Bauweise: massiv in verschiedenen Formen - rund oder mehreckig. Als höchster Turm der Burg, wurde er fast immer an der gefährdetsten Seite der Burg gebaut. Er dient den Burgbewohnern als Wohnraum und als letzte Zuflucht, wenn der Feind bereits in die Burg eingedrungen war. Der unterste Schacht diente oft als Verlies, die oberen Geschosse boten jedoch Lager- und nur bedingt Wohnraum.
    Der Begriff Bergfried tritt erstmals um 1836 auf. Vorher gab es die verschiedensten Begriffe dafür:
    perfrit, berefreit, bercfrit, pervrit, bervrit, perfred, berpferd, pürfrit, bürcfrit, bürgfride, barenfrid, berfride, perkchfrit, pechfrid, bärfried, bergfred, bargvred, bergfrit, berfrit, berfredus, ...


  • Brunnen
    Wasserversorgung einer Burg, durch einen in den Boden getriebenen Schacht, der das Grundwasser zu Tage bringt. Das Wasser wurde mittels Seilwinde und Eimer oder auch Lederbeutel an die Oberfläche geholt.


  • Burghof
    Von Mauern und Gebäuden an denselben umschlossener, meist ungedeckter Platz in der Kernburg. Er diente als Verkehrsraum, Empfangsplatz und in großen Anlagen auch für ritterliche Kampfspiele.
    Auch Ballei genannt – im Spätmittelalter.


  • Burgkapelle
    Kapellen einer Burg kamen in verschiedenen Ausführungen vor. Als Erker oder Raum in einem Wohnbau, als alleinstehendes kleines Gebäude. In größeren Burgen sogar als Doppelkapelle oder Mehrstöckiges Gebäude vorkommend.


  • Burgstraße
    Burgweg, Anlage im Torbereich, bei frühgeschichtlichen Anlagen so beschaffen, dass der Angreifer seine schutzlose Rechte zur Burg wenden musste.


  • Dürnitz
    Beheizbarer Raum, meist Speisesaal oder auch Aufenthaltsraum für Soldaten und Gäste oder allgemeiner Versammlungsraum meist im Untergeschoss des Palas. Heute werden auch Gebäudekomplexe, die dem Palas zugehörig sind, als Dürnitz bezeichnet.


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  • Graben
    Arten: Halsgraben, Abschnittsgraben, Ringgraben. Erdaushub oder Aussprengung vor Wällen, Mauern oder Türmen einer Wehranlage, als zusätzliches Hindernis für den Angreifer. Der Halsgraben trennt die Burg vom Vorgelände, der Abschnittsgraben teilt den Burgplatz in Verteidigungsabsschnitte, der Ringgraben umschließt die gesamte Wehranlage.


  • Kemenate
    Im Palas, durch einen Kamin - später auch Öfen - beheizbarer Raum (caminata). Auch als Phiesel – beheizbares Frauengemach – bekannt.


  • Kernburg oder Hauptburg
    Innerer Bereich der Burganlage mit den herrschaftlichen Wohnbauten , Bergfried und Burghof, als letzte Zuflucht. Eingesäumt durch eine Ringmauer und der inneren Toranlage zugänglich.


  • Marstall
    Althochdeutsch: Marhastall - bestehend aus Marha = Mähre und Stall. Gebäude für Unterbringung von Pferden, Geschirr und Kutschen.


  • Mauerturm
    Arten: Torturm, Schalenturm, vorgeschobener Wachturm, Geschützturm, Rondelle.
    Frei vor der Mauer oder in Verbindung mit dieser oder anderer Gebäuden stehendes Bauwerk einer Befestigung. Bündig in der Mauer oder zur Flankierung vortretend, durch besondere Höhe ausgezeichnet.
    Besonderheit bei Schalentürmen: die der Befestigung zugewandten Seite ist offen.


  • Mushaus
    Nebengebäude einer Burg: Küche, Speicher oder Wirtschaftsgebäude.


  • Palas
    Hauptwohngebäude der Burg, meist unterkellert und zwei- bis mehrgeschossig mit Dürnitz im Erdgeschoss, dem Saal und den Wohnräumen im Obergeschoss - Kemenate. Anfangs einziges Bauwerk, dass durch einen Kamin beheizbar war - später auch durch Öfen.


  • Ringmauer
    Hohe, breite, von einem Wehrgang und Zinnen gekrönte Mauer, die den Burgraum umschließt. Älteste und einfachste Form der steinernen Befestigung.


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  • Schildmauer
    Starke Mauer zum unmittelbaren Schutz eines an der Front der Burg stehenden Turmes oder Burggebäudes, oft Ausbuchtung der Ringmauer. Im anderen Fall als Schildmauer ein mächtiger Mauerbau, der die Angriffsseite einer ganzen Burg deckt. Weitere Begriffe für Schildmauer: Mantelmauer, hoher Mantel.


  • Torbau
    Verschließbarer Zugang zur Burg, der die schwächste Stelle der Wehranlage darstellte und deshalb besonders geschützt werden musste. Entweder durch zwei flankierende Türme oder durch einen quardratischen Torturm. Die flankierenden Türme schlossen die Torhalle/Torbau ein. Auch wurde der Zugang zuweil durch Zugbrücken/Brücke zusätzlich geschützt - abhängig vom Burgplatz.


  • Vorburg
    Areal hinter der äußeren Wehrlinie vor der Kernburg, meist tiefer als der innere Burghof gelegen. Auf der Vorburg stehen meist die Wirtschaftsgebäude und Ställe, oft befindet sich dort die Pferdeschwemme. Im Kriegsfall diente die Vorburg auch zur Aufnahme der Landbevölkerung und der Viehherden.


  • Vorwerk
    Befestigung als Vorposten der Burg. Freistehend oder mit der Burg durch eine Mauer oder einen Gang verbunden.


  • Wohnturm
    Der Wohnturm für sich alleinstehend und befestigt, war eine kleine Form der Burg. Wohntürme waren oft jedoch auch Bestandteil einer größeren Burganlage und boten einen wesentlich komfortableren Wohnraum, als ein bewohnbarer Bergfried.


  • Zeughaus
    Waffen- und Gerätekammer auf Burgen und in Städten des Mittelalters.


  • Zisterne
    Gemauertes oder in Stein gehauenes Auffangbecken für Regen- oder Schmelzwasser - zur Wasserversorgung der Burgbewohner.


  • Zugbrücke
    Arten: Zugbrücke (mit Wolfsgrube), Schwenkbalken, Schwenkrute, Wippbaum, Zugbaum. Holzbrücke, die durch Aufziehen eines um deine Horizontalachse drehbaren Teiles der Brückenplatte unterbrochen werden kann. Der Aufzug kann durcdh eine Haspel, durch Schwenkbalken oder in Form einer Wippbrücke mit Einschlag in die "Wolfsgrube" geschehen. Selten verwendet wurde die Kippbrücke. Die aufgezogene Brückenplatte diente gleichzeitig als Torverschluss.




  • Genaue Erläuterungen der Fachbegriffe und zu den architektonischen Bestandteilen einer Burg finden Sie hier im Glossar des Burgenregister.de.

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    Aufgaben der Burgen

    Wozu wurden Burgen eigentlich errichtet?
    Der Nutzen liegt klar auf der Hand: Die Burg sollte Schutz vor feindlichen Angriffen bieten . In einer Burg wurden oft die größten Gelage abgehalten. In ihnen lebte der Adel. Also waren Burgen auch zu Repräsentationszwecken genutzt worden.
    Aber ist das alles, wozu eine Burg taugte?

    Burgen werden heute mehr Funktionen nachgesagt, als sie überhaupt in der Lage waren, zu erfüllen. Sperr- oder Kontrollfunktion war immer eingeschränkt möglich. Wenn überhaupt, dann in dem unmittelbaren wirtschaftlichen Bereich der Anlage. Grund dafür war oft die Lage der Burg. Exponierte Lagen ließen kaum zu, ein weiteres Gebiet zu kontrollieren. Auch war es mit einer normalerweise kleinen Besatzung, der sog. Burghut, kaum möglich, maßgeblichen Einfluss auf weit entlegenen Gebiet auszuüben.

    Auch ein Burgennetz zur Verständigung über weite Entfernungen von Burg zu Burg per Feuersignale oder Rauchzeichen ist eher eine Fiktion und mag in Romanen oder Filmen gut wirken. Tatsache für das Nichtvorhandensein eines solchen Netzwerkes, war schlicht und einfach, dass niemand einen solche territorialen Besitz sein Eigen nannte. Zudem setzt es auch voraus, dass die Anlagen topographische, zeitliche und besitzrechtliche Grundvoraussetzungen erfüllen mussten, was in den meisten Fällen einfach nicht gegeben war.

    Burgen standen felsenfest dort, wo sie erbaut wurden. Ein feindliches Heer hatte immer die Möglichkeit, die Burg anzugreifen oder eben zu umgehen. Wie schon erwähnt, waren Burgen meist mit einer kleinen Burghut besetzt, was zur Verteidigung der Anlage ausreichend war. Der Schutz der Burg konnte sich deshalb aber auch nur an die angrenzenden Ländereien beschränken. Dabei war der Schutz der für die Burg wirtschaftlich wichtigen Versorgungseinrichtungen maßgeblich. Auch waren sie aufgrund ihrer Verwaltungsfunktion für die Umgebung, Gerichtsstätte oder Stätte der Politik. Dies war jedoch abhängig von Rang und Stand des Burgherren.

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    Worin lag nun der Wert einer Burg?
    Sperr- und Zollfunktionen konnten Burgen ausüben, die an einer Handelsstraße, Wasserstraße oder an einem Hafen lag.
    Sie stellten – manchmal als Burgenpaar die Straße flankierend – eine Tal- oder Wassersperre dar oder kontrollierten die Hafeneinfahrten. Diese Burgen hatten reine Kontrollfunktion und dienten als Einnahmequelle.

    Auch als militärisch wirkungsvoll galten Burgen, die andere Burgen blockierten oder gar belagerten, sog. Gegen- oder Trutzburgen. Auf ihnen wurden Wurf- und Schleudermaschinen postiert, um die gegnerische Burg zu bedrängen. Außerdem bestand die Funktion der Trutzburg auch darin, den Versorgungsweg des Gegners abzuschneiden.

    Seltener sind da Garnisonsburgen. Diese dienten zur Aufnahme großer Truppenteile und sind auch unter dem Begriff landesherrschaftliche Burgen bekannt. Sie wurden ausschließlich an strategisch bedeutenden Plätzen errichtet und waren äußerst wehrhaft errichtet. Beispielsweise war die Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers, eine solche Okkupationsburg.

    Ansonsten gab es selten größere oder ähnliche Wertigkeiten für Burgen. Die Vielzahl der Burgen waren klein und dienten dem Adel als Wohnsitz. Burgen hatten nur Adlige von hohem Stand, die sie als Erbe oder über ein Lehen erhalten hatten. Niederer Adel oder auch verarmte Ritter, waren auf Burgen als Dienstleute angestellt aber nicht im Besitz der Burg.

    Die Wohnsitze des Adels wurden soweit befestigt, dass sie jeder Zeit Schutz vor Überfällen oder kleinen Belagerungen fanden. Durch die Architektur sollte auch der Status und der Einfluss des Burgherren verdeutlicht werden. Das Repräsentieren schien oft wichtiger als die tatsächliche Funktion der Wehranlage.

    Ansitze wurden im Inneren wohnlicher und dekorativer. Die Fassaden gestaltete man immer kunstvoller, denn man wollte den Besucher und Vorbeiziehenden beeindrucken.

    Es wurden kleine Wasserschlösschen errichtet, die mit kleinen Parkanlagen umfasst waren. Auch hier war das Ziel deutlich: Repräsentieren und angenehm und komfortabel wohnen.

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    Burgennamen

    Beschäftigt man sich mit der Vielzahl der erhaltenen Burgen, sollte dies nicht nur mit der Geschichte und Architektur abgehakt werden. Wird ein Ding erschaffen, gibt man diesem einen Namen. Ebenso wurde es mit Burgen gehalten.

    Was war hier nun das Ausschlaggebende?

    Oft wurde mit dem Namen bezweckt, nicht nur Kontrahenten zu beeindrucken, sich Respekt zu verschaffen. So sollten z.B. Burgen mit der Endsilbe ~stein Wehrhaftigkeit und Festigkeit signalisieren. Eingeschlossen mit den Burgennamen, die nur aus Stein bestanden, waren das die am häufigsten vorkommenden Namen. Beispielsweise Hanstein in Thüringen, oder Greifenstein ~ ein häufiger Name. Eine Burg Greifenstein ist unweit Bozen, rechter Hand auf dem Weg nach Meran, erhalten. Eine Ruine an einer Felskante erbaut, die hoch über einen steilen Hang aufragt. Einst ein wehrhafter Bau in exponierter Lage.

    Die zweithäufigste Silbe war ~berg oder ~burg. Hier beispielsweise die Ronneburg in der Umgebung von Hanau. Oder auch die schon erwähnte Marienburg in Polen. Darauf folgten Endungen wie ~fels, ~eck und ~egg. Sie drücken unter anderem auch die Lage der Burg aus. Also Burgen auf Felstürmen, oder an Vorsprüngen. Hier sei die Burg Lichtenfels in Oberfranken genannt, oder die Burg Steinegg im Eisacktal in Südtirol.

    Der Hauptteil der Burgennamen war jedoch viel üppiger gestaltet. Hier gab es wieder die unterschiedlichsten Benennungen für die Lage, das Alter, oder einer zweiten, zugehörigen Burg. Also Hohen~, Hoch~, oder Hom~ und Hon~. Alt~ oder Neu~. Unter~, Nieder~, oder Ober~. Beispiele wären Hocheppan bei Eppan in Südtirol, Honberg bei Tuttlingen in Baden-Württemberg und Alt Bodman bei Konstanz in Baden-Württemberg.

    Auch wurden oft Tier in den Namen eingebunden. Tiere die es tatsächlich gab und solche aus Sagen und Fabeln. Die hier bevorzugte Vorsilbe war der Greifvogel Falke. Andere Tier wie der Bär, der Wolf, Raben oder Adler, die als stark und mächtig erachtet wurden, waren Namensgeber für einige Burgen. Fabelwesen wie Greife oder Drachen waren auch Vorbilder für die Namensgebung. Dafür sind die Burg Drachenfels - Kreis Pirmasens - Rheinland-Pfalz oder die Burg Falkenberg im Kreis Tirschenreuth in Bayern, Beweis. Oder die bereits erwähnte Burg Greifenstein in Südtirol.

    Weiterhin waren Farben oder Pflanzen ein Bestandteil der Namensgebung. Vorsilben wie Rot~, oder Grün~ waren vorhanden. Oder auch Wald~, Wart~ oder Tanne~ gab es. Hier können die bekannte Wartburg ~ Aufenthaltsort Martin Luthers ~ bei Eisenach in Thüringen, oder die Burg Grünwald am südlichen Rand von München benannt.

    Weitere Vorsilben waren beispielsweise Ehren~, Scharfen~, Frauen~ oder Lichten~.

    Die Namensgebung hat mit Ritterromantik nicht viel zu tun. Eher ist es wahrscheinlich, dass sich Adelsgeschlechter nach Burgen benannten. Solche Burgen gibt es heute noch. Guttenberg, Falkenstein oder Alvensleben, sind nur ein paar davon.

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    Das Leben auf Burgen

    Hier können Sie lesen, wie in etwa das Leben auf einer Burg ausgesehen haben mag. Dabei sollte nicht übersehen werden, dass auch dieser Artikel nur einen ungefähren Eindruck geben kann. Denn wenn wir annehmen, dass das Mittelalter als Epoche von ca. 500 bis 1500 n. Chr. gedauert haben mag, dann sind 1.000 Jahre eine lange Zeit, in der die Mode, die Technologie usw. sich doch immer weiter entwickelt haben. Alle Einflüsse, die das Leben der Menschen bestimmten, können hier im Nachhinein nicht zu 100 % widergegeben werden.
    Insgesamt ist man sich heute nicht wirklich einig, von wann bis wann das Mittelalter gedauert haben mag. Mittelalter wurde die Epoche zu seiner Zeit ja auch nicht als solches benannt. Um die Entwicklung Europas in dieser Epoche zu verstehen, braucht es mehr als einen Beitrag eines Privatsenders im TV. Viele Jahrhunderte in vielen kulturell unterschiedlichen Regionen, kann man in der Tat nicht damit beschreiben, in dem man sagt: "Im Mittelalter war dies so und das andere so und so". Das würde im gleichen Sinne unserer Zeit gerecht als ob man sagen würde: Im 19. bis 21. Jahrhundert hörte man als Musik "Modern Talking", trug immer Hüte, Tracht und es gab immer nur Schweinefleisch und Bier zu essen.

    Aber nun zurück zum eigentlichen Thema...

    Historische Bild- und Schriftquellen, sowie archäologische Funde, geben uns heute Aufschluss über das Leben, den grauen Alltag und den schillernden wie schrecklichen Ereignissen auf den Burgen des Mittelalters.

    In den Burgen bot sich der Wohnraum für den Adel, Kriegsknechte und Gesinde. Daneben mussten noch Tiere, Vorräte und allerlei Gerätschaften untergebracht werden. Bedenkt man nun, dass Burganlagen fast immer ein "kleiner eingemauerter Fleck" waren, kann man sich wohl vorstellen, dass all dies auf engstem Raume zusammen kam. Diese Enge prägte den Alltag sehr stark.

    Sicher sind uns größere Burganlagen bekannt, wie zum Beispiel die Burg Burghausen in dem gleichnamigen Städtchen an der Salzach, dem Grenzfluss zu Österreich. Diese Burg ist auf einem Kamm erbaut und erstreckt sich über eine Länge von ca. einem Kilometer. An diesem Beispiel kann man aber auch ganz eindeutig erklären, dass große Burganlagen ihre Größe nur nach und nach erreichten. D.h. in diesem Beispiel, dass Burghausen zwischen dem 11. und dem 19. Jahrhundert immer wieder weiter- und ausgebaut wurde.

    Mit der Entwicklung des Burgenbaus, fand auch ein Fortschritt im Ausbau und der Gestaltung der Wohnräume. Das einfache, karge und eingeengte Leben, erfuhr mit den Jahrhunderten eine Bereicherung an Komfort und Errungenschaften. Besonders wurden mit den Kreuzzügen neue Annehmlichkeiten aus dem Morgenland eingeführt, die den Wohnkomfort in Mitteleuropa verbesserten.

    Das Leben im Mittelalter war ein Leben auf engstem Raum, was Behausung und Alltag betraf. Dies übertrug sich natürlich auch auf das Leben in den Burgen. Die Einrichtung war karg, Hygiene - im heutigen Sinne - kaum vorhanden und das Klima hatte starken Einfluss auf die Räume und das Leben.

    Während im Sommer die Wohn- und Lagergebäude aus dicken Steinmauern, Schutz vor der Hitze der Sonne boten, sie in ihren Mauern eine angenehme und erfrischende Kühle bargen, war es im Winter oft eisig kalt. Aufgrund der spärlichen Möglichkeiten, die Fensteröffnungen in den Mauerwerken abgedichtet zu verschließen, bzw. eine Wärmeisolation zu erwirken, konnte der eisige Luftzug immer ungehindert ins Innere der Wohngebäude gelangen. Ebenso wie Feuchtigkeit.

    Als Verriegelung der Fenster, dienten nur hölzerne Fensterläden, Fell- oder Ledervorhänge. Die Heizmöglichkeiten im Inneren waren auch sehr begrenzt. Es gab meist nur einen einzigen Kamin, der auch nur den Raum, in dem er stand, unzureichend erwärmte. Die restlichen Räumlichkeiten waren gänzlich unbeheizt. Es gab lediglich die Ausnahme der Kohle- oder Bettpfannen. In diese wurde Glut vom Kamin gegeben, mit einem Deckel verschlossen und schließlich unter die Decken der Betten geschoben, um wenigstens diese zu wärmen.

    Erst im 13. und 14. Jahrhundert hielten Öfen und Fensterglas Einzug in die mitteleuropäischen Burganlagen. So wurde also der Wohnkomfort mit dem Beginn des 13. Jahrhunderts etwas angehoben. Zumindest was das Klima in den Gemäuern betraf. Außerdem wurden die dunklen, düsteren Räume im Winter durch den Einsatz von Glasfenstern, etwas heller und wohnlicher. Was nun die Hygiene betraf, wie zuvor erwähnt, war sie mit unseren heutigen Vorstellung nicht vergleichbar. Es gab keine Müllentsorgen, keine Kanalisation oder Raumpflege, wie wir sie heute kennen. Bis ins 18. Jahrhundert wurden Wohnverhältnisse sehr bescheiden und unangenehm. Unrat blieb liegen, wo er fallen gelassen wurde. Die Strohlagen auf den Böden der Wohngebäuden und Stallungen wurden eher unregelmäßig ausgewechselt. Die Toiletten waren Abtritte im Freien als Grube, Aborterker über den Burggräben oder auch tragbare Holzkästen. Gegessen wurde an einer gemeinsamen Tafel. Man griff sich, was auf den Tisch kam. Wischte sich an seinen Kleidern die Hände ab.

    Die mangelnde Hygiene hatte zur Folge, dass Erkrankungen häufig waren, die Lebenserwartung an sich weit geringer als heute. Epidemien hatten leichtes Spiel in Städten und großen Wehranlagen gleichermaßen.

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    Mit dem Hochmittelalter wurde jedoch auch in den Burgen der Wohnkomfort verbessert. Was jedoch auch letztlich eine Kostenfrage war. Im Spätmittelalter war ein "gemütlicheres" Wohnen möglich. Pechfackeln wurden von Öllampen als Beleuchtung abgelöst. Trotz Wassermangel auf Burgen, wurden Badestuben mit hölzernen Zuber eingerichtet, die eine Waschmöglichkeit für die Burgbewohner boten. Wandteppiche wurden vereinzelt in Wohnräumen angebracht. Sie verbargen das triste Mauerwerk. Häufiger jedoch ließen wohlhabende Burgherren die Wände mit Malerei verschönern. Die Möblierung der Wohnräume war nichts desto trotz kärglich. Bänke, Stühle und Tische, Wand- und Fensterbänke und Truhen für die wenigen Kleider, die man besaß, waren der Hauptbestandteil an Einrichtungsgegenständen der Burgen. Richtige Betten blieben oft den Burgherrschaften und ihrer Familie vorbehalten. Das Gesinde kam meist immer in der warmen Küche, im Stall, in Wachstuben oder in allen möglichen Kammern unter. Sie schliefen auf Strohlagern.

    Für die Familie gab es eigene Räumlichkeiten. Die Wohnhalle, in der tagsüber zusammen gespeist wurde, etc. Das Schlafgemach des Burgherren und seiner Frau. Das Schlafgemach der Töchter und ihren Bediensteten und schließlich das Schlafgemach der Söhne und ihren Pagen. Meist gab es auch ein Frauengemach, das tagsüber den weiblichen Familienmitglieder vorbehalten war. Oft war diese Kemenate/Phiesel auch beheizbar. Für das Gesinde gab es keine extra Räume, sie hatten wie schon oben erwähnt, ihre Schlafstatt sonst irgendwo in der Burg.

    Ein weiterer wichtiger Raum war die Küche. Sie kamen meist nur in großen Burgen vor, nicht in kleinen Wohntürmen oder Kleinstburgen. Eine Küche war Luxus. Ihre Decke war stets ein gemauertes Gewölbe und es war ein gemauerter Rauchabzug ins freie vorhanden. Sie war meist gut abgetrennt von den Wohn- und Schlafgemächern, um eine Geruchsbelästigung auszuschließen. Gekocht wurde mit offenem Feuer auf einem eigens aufgemauertem Vorsprung. Es hing ein Kessel oder eine Pfanne über dem Feuer und man kam mit wenigen Küchengerätschaften aus. Kelle oder großen Löffeln, etc. Letztlich muss es eine sehr rußige Sache gewesen sein, in einer Küche zu arbeiten.

    Wie lief nun so ein Tag auf einer Burg ab? Das Leben in den Wohntürmen und Burgen war geprägt von Lärm, Gedränge und Gestank, denn man saß dicht zusammen beim Essen. Man griff alles Essen mit den Fingern. Besteck und Geschirr gab es nur wenig. Tonbecher- und Krüge oder Trinkhörner, Messer, manches mal auch Löffel und Holzschüsseln beherrschten das Tischbild. Tongefäße waren jedoch nur bedingt von Nutzen, da sie nicht, wie heute auf Mittelaltermärkten, innen emailliert/glasiert waren und somit auch nach gewisser Zeit Feuchtigkeit durchließen. Gabeln gab es erst sehr spät und auch nur bei den besser gestellten Adeligen. Häufig wurde auch der Eintopf auf dafür gebackenen Brotfladen, oder in ausgehöhlten Brotlaibern, serviert.

    Generell waren die Menschen sehr abergläubisch, mehr jedenfalls, als fromm. Es gab eine strenge Hierarchie. An der Spitze stand der Burgherr, gefolgt von den männlichen Verwandten, und seinen Kriegsknechten. Auf Frauen und Gesinde wurde nicht sehr geachtet. Sie steckten reichlich Schläge ein und mussten hart arbeiten. Soviel zur Romantik vom Leben auf den Burgen.

    Der Tag fing früh an. Die Burgherrin und ihre Mägde hatten dafür zu sorgen, dass da Essen gekocht wurde, dass gebacken wurde. Sämtliche Vorräte waren anzulegen und zu überwachen. Kleidung ausbessern und anfertigen, sowie spinnen und weben, gehörte ebenfalls zu ihren Aufgaben. Das Vieh und der Garten musste versorgt werden, Holz und Wasser herangeschleppt werden. Kinder und Kranke mussten betreut werden.

    Der Burgherr und seine Knechte mussten dafür sorgen, dass sämtliche Kriegsausrüstung und Geräte und Gebäude instand blieben. Waffenübungen waren an der Tagesordnung, genauso wie Ausritte, egal bei welchem Wetter. Auf die Jagd wurde gegangen, um den Fleischbedarf zu decken. Dies war jedoch eine willkommene Abwechslung.

    Auch musste der Burgherr als Lehnsherr gewisse hoheitliche Aufgaben wahrnehmen. Überwachung von Fronarbeiten und des Einhalten des Zinstages, sowie zu Gericht zu sitzen, waren die Aufgaben seinen Bauern gegenüber. Hatte er selbst auch einen Lehnsherren, dem er unterstand, so musste er bei Bedarf Schutz und Geleit für Reisende bereitstellen, oder mit seinen eigenen Kriegsknechten mit in den Krieg ziehen. Die Mahlzeiten wurden zweimal am Tag zu sich genommen. Morgens der sog. imbiz und abends die Hauptmahlzeit. Sie wurden vom Burgherren zusammen mit seiner Familie, dem Bediensteten und niederen Gefolgsleuten in der Wohnhalle/Rittersaal eingenommen. Die Adelsfamilie saß immer erhöht, um den Stand zu demonstrieren. Knechte und Mägde aßen jedoch immer in der Küche.

    Auf den Burgen konnte man einen Teil der benötigten Lebensmittel selbst herstellen. Von den Bauern, die der Abgabepflicht unterlagen, bekam man den Rest (Zinstag). Je nach Stand und der finanziellen Lage, fiel die Tafel mehr oder weniger üppig aus. Fleisch war ein Bestandteil der Hauptmahlzeit. Meist vom Schwein, Rind, Schaf oder Geflügel. Im Sommer konnte die Speisekarte durch erlegtes Wild aufgebessert werden. Im Winter hingegen musste man auf Geräuchertes und Eingesalzenes zurückgreifen. Wobei zu erwähnen ist, dass Salz damals sehr teuer war!

    Das Vieh wurde vor dem Winter, im Herbst meist vollständig geschlachtet, da aus Platz- und Futtermangel dieses nicht über den Winter hätte gebracht werden können. Ein sehr großer Bestandteil der Nahrung war Fisch, Brot und Gemüse; im Winter Dörrobst. Zu Trinken gab es reichlich Wasser und Milch. Bier und Wein waren je nachdem, wie situiert der Burgherr war, gelegentlich bis ausreichend. Wenn er sehr wohlhabend war, konnten die Speisen auch gut bis stark gewürzt werden. Oft war dies nötig, weil teilweise die Speisen schon faulig waren und man so den ekligen Geschmack oder Geruch überdecken konnte. Eine willkommene Abwechslung waren Gäste auf der Burg. Sie brachten Neuigkeiten aus anderen Gegenden mit sich. Minnesänger gaben Geschichten aus der weiten Welt zum Besten. Sie sangen von Helden und Ruhm. Spielleute waren auch sehr begehrt, da sie immer mit einem Schauspiel und Musik, den eintönigen Alltag vertrieben. Besonders willkommen waren solche, die auch noch akrobatische Kunststücke vorführten. Ein weiterer Zeitvertreib waren Würfelspiele und auch Brettspiele wie zum Beispiel Schach oder Backgammon. Nicht zuletzt seien natürlich die Ritterturniere genannt. Diese waren das größte Vergnügen und ein heiß ersehntes Fest. Bei dem so manches zu gewinnen war.

    Das Leben auf Ordensburgen stellte sich einwenig anders dar. Wie schon unter einer anderen Rubrik erwähnt, waren die Ordensburgen eher einem Kloster gleich, als einer Burg im Reich. Ordensburgen waren Verwaltungssitze und Magazin in einem Distrikt. Dazu kam, dass sie auch als landwirtschaftlicher Betrieb funktionierten. Die meisten dieser Burgen verfügten über eine große Vorburg, in deren Mauern diese Landwirtschaft betrieben wurde. Soviel zu Versorgung.

    Das Leben auf den Burgen verlief etwas anderes. Die Ordensbrüder waren unverheiratet, also gab es keine Familien der Burgherren oder deren Gefolgsleuten. Der Tagesablauf war genau so streng geregelt wie in einem Kloster. Es wurde gemeinsam geschlafen und gegessen und Andachten gehalten. Alles in dafür vorgesehenen großen Räumlichkeiten. Was die Hygiene anbelangt, waren die Ordensburgen den Ritterburgen des Reiches weit voraus. Hier gab es sog. Danzker. Das waren Toilettenanlagen, die die Fäkalien von der Burg fernhielten. Es herrschte vermutlich eine strenge Regelung was die Ordnung und Sauberkeit auf den Ordensburgen betraf.

    Ein weiterer Zeitvertreib, oder besser gesagt, eine andere Aufgabe, sahen Burgherren darin, ihre Interessen und Rechte mittels Fehden zu waren. (Fehde: aus dem althochdeutschen (gi)fehida = feind-selig). Dies geschah meist, durch kriegerische Auseinandersetzungen, weil eine Instanz zur Wahrung der Interessen und Rechte fehlte. Selbst hinauf bis zu Königen zogen sich solche Auseinandersetzungen.

    Es wurde geplündert, gebrandschatzt und Lösegeld für Gefangene gefordert. Das Fehdewesen war im Mittelalter weit verbreitet. Mit Ende des Mittelalters jedoch, wurde es durch den Ewigen Landfrieden von 1495 verboten. Was noch fortbestand war die Blutrache. Jedoch unterschied sich die Fehde davon durch bestimmte Rituale:
    Es wurde eine Art Kriegserklärung - Absage - überbracht. Ein Bote brachte diese persönlich, oder heftete diese am Burgtor der anderen Partei an. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt hier, dass erst drei Tage nach dem Überbringen der Kriegserklärung, die kriegerischen Feindseligkeiten beginnen durften. Bei Zuwiderhandlung konnte das schwere Folgen haben, wenn man die Kämpfe verlor. Offensichtliche Leidtragende waren immer die ungeschützte Landbevölkerung, die ihre Felder und Behausungen verloren.

    Die heutigen Ruinen lassen leider sehr wenig Schlüsse auf das Leben in den Burgen zu. Auch erhaltene Burgen machen es nicht leichter, da diese über die Jahrhunderte immer wieder umgebaut und verändert wurden. Über die frühe Zeit der Burgen und ihre Bewohner, kann man heute nicht allzu viel aussagen. Vieles ist Spekulation. Tatsächlich können wir heute nur genaueres über das Leben in Burgen und die Burgen selbst, für die späte Epoche des Burgenbaus, aussagen.

    Sicher ist auf alle Fälle, dass der verklärte Blick für das romantische Mittelalter nicht der damaligen Realität entspricht. Das Leben war nicht romantisch, sondern hart und gefährlich. Es gab nichts von den Annehmlichkeiten, die wir heute genießen. Keine Burg, die wir heute besichtigen können, spiegelt die tatsächlichen Verhältnisse dieser Burg im Mittelalter wider.


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    Quellen:

  • Burgenkunde

  • von Otto Piper - Ausgabe 2001, Flechsig Verlag

  • Burgen - Symbole der Macht

  • von Joachim Zeune - Ausgabe 1997, Verlag Friedrich Pustet

  • Burgen des Deutschen Mittelalters

  • von F. W. Krahe - Ausgabe 1996, Weltbild Verlag

  • Die Befestigungsweisen der Vorzeit und des Mittelalters

  • von August von Cohausen - Ausgabe 2003, Flechsig Verlag

  • Glossaire - Burgenfachwörterbuch des mittelalterlichen
    Wehrbaus in 5 Sprachen

  • von Leonardo Villena - Ausgabe 1975, Verlag Weidlich